Anekdoten

Erlebnisse mit meinen Hunden

-  Schuhmanie
Jeder kennt sicher die Situation, seinen Hund nicht immer überall mitnehmen zu können. Tja, und in solchen Situationen passiert es dann schon mal das der Liebling Sachen anstellt mit denen man selbst nicht immer ganz so einverstanden ist.

Sheila zählte nicht zu diesen Rabauken, sie war sich selbst scheinbar viel zu gut für solchen Unfug, also in ihrer Vorstellung nicht ganz nach Ladyart. Nur eine Sache schien ihr scheinbar keine Ruhe zu lassen und das waren die Schnürsenkel von den Sportschuhen meiner Tochter. Nicht das sie die abbiss wenn sie allein zu Hause bleiben musste – ging ja nicht da ich da ja die Kinder mithatte – Nein – sie machte wenn wir zu Hause waren, genauer gesagt am Abend wenn meine Kinder bereits schliefen und von dieser Seite keine Gefahr drohte. Ich kam durch Zufall dahinter, als ich einmal in die Küche ging um den Abwasch zu erledigen, dass Madam sich ins Vorzimmer schlich um den Sportschuhen den Garaus zu machen. Scheinbar war sie der Meinung ich wäre in der Küche blind und taub, aber ganz so war es ja denn doch nicht.

Ich hatte gelernt meinen Hund immer nur unmittelbar nach der „bösen“ Tat zu bestrafen und das es keinen Sinn hätte dies zu einem späteren Zeitpunkt zu tun, weil der Hund ja dann nicht mehr genau weiß wofür er die Strafe bekommt.

Also gab es für mich nur Eines, man will ja natürlich auch alles richtig machen, Sheila sollte auf frischer Tat ertappt werden. Nur ist das gar nicht so einfach wie man sich das vorstellt.

Ich setzte mich zuerst mal wieder ins Wohnzimmer, nahm mein Strickzeug zur Hand und strickte eine Weile, Sheila lag brav in meiner Nähe am Boden und schlief. Ich ließ einige Zeit vergehen, legte mein Strickzeug zur Seite und ging an ihr vorbei in die Küche. Nun hieß es warten. Aber nicht lange, weil sie kam gleich um nachzusehen was ich den da machte und als sie feststellte das es für sie nichts gab, drehte sie um und marschierte ab Richtung Vorzimmer. Ich jubelte innerlich, erfreut darüber dass es scheinbar so schnell klappen würde. Nur da machte ich leider die Rechnung ohne meinen Parkettboden. Leise schlich ich durchs Wohnzimmer, darauf bedacht, so ruhig wie möglich, vorsichtig einen Fuß vor den Anderen zu setzen. Auf halber Strecke dann passierte es – Knarr ! – eines der Bodenbretter gab ein laut knarrendes Geräusch von sich. Sheila hat das natürlich gehört und kam schnurstracks ins Wohnzimmer um zu sehen was ich denn mache. Ich tat nun so als würde ich sie überhaupt nicht sehen und ging, innerlich kochend vor Wut, zurück zur Couch, setzte mich wieder und begann erneut zu stricken. Sheila legte sich wieder in meiner Nähe nieder und schlief scheinbar nach kurzer Zeit wieder ein.

Also gut, wiederholen wir das Spiel halt – kein Problem.

Stricken - Strickzeug weglegen - in die Küche gehen. Warten bis Sheila wieder ins Vorzimmer schleicht. Man glaubt es kaum aber sie tat es wirklich, die Sportschuhe mussten es ihr schon ungeheuerlich angetan haben. Ich schlich wieder leise durchs Wohnzimmer wich dem knarrenden Bodenbrett aus und stieg dafür prompt auf ein anderes das gotterbärmlich knarrte. Ich fluchte innerlich wie man es sich vielleicht vorstellen kann, aber äußerlich lies ich mir nichts anmerken und verzog mich wieder auf die Couch, davon überzeugt das ich sämtliche Chancen vertan hätte meine Hündin noch an diesem Abend auf frischer Tat zu ertappen.

Es ließ mir aber keine Ruhe, ich wollte es doch noch einmal versuchen, und so kam es das sich das ganze Szenario wiederholte. Ich also nach einiger Zeit wieder in die Küche, sie kommt nachschauen was es dort für sie Neues gibt. Da nichts Fressbares für sie abfiel, verzog sie sich wieder. Meinerseits ein vorsichtiges um die Ecke spähen und noch gerade sehen wie sie ins Vorzimmer verschwindet. Also gut – auf ein Neues, Luft anhalten und anschleichen, die beiden knarrenden Bodenbretter umgehen und mit einem Ohr ins Vorzimmer lauschen, ob sie mich nicht doch hören würde.

Endlich, es klappte, ich jubelte innerlich, ich ertappte sie bei der Tat. Mit verwunderten Blick staunte sich mich an, da ich ja plötzlich aus dem Nichts vor ihr stand. Sie lag am Vorzimmerboden und hatte noch immer den Sportschuh meiner Tochter zwischen den Pfoten und den Schnürsenkel im Maul. Mit meiner tiefsten Stimmlage herrschte ich sie nun an: „Was machst du denn da? Darfst du das?“ Währendessen griff ich mit der linken Hand nach ihrem Halsband und mit der rechten nach dem Sportschuh, zusätzlich drohte ich ihr noch mit dem Sportschuh indem ich ihr damit vor der Schnauze herumfuchtelte. Sheila selbst blickte mich verwundert an, mit der Frage in den Augen warum Frauchen denn mit dem Schuh winke, von mir aus reine Selbstbeherrschung um nicht laut aufzulachen. Wirklich schweren Herzens knallte ich ihr dann denn Schuh zweimal um die Schnauze, aber das verstand sie und mit einer einzigen Bewegung war sie in der Höhe und versuchte mir zu entkommen. Ich ließ das Halsband aus und sie verzog sich schnurstracks ins Wohnzimmer unter den Couchtisch, von dort blickte sie mir anklagend entgegen, so dass ich meinen Blick von ihr abwenden musste und auch schon begann mir große Vorwürfe zu machen.

Mit einem unguten Gefühl im Bauch setzte ich mich wieder auf die Couch und begann abermals zu stricken und mich selbst mit Worten des schlechten Gewissens zu schelten. Nach ungefähr fünfzehn Minuten hielt ich es nicht mehr aus, legte das Strickzeug beiseite und kniete mich zu ihr auf den Boden, sie leckte mir sofort die Hände und ich knuddelte sie ganz fest und sprach liebe Worte zu ihr, die Welt war wieder in Ordnung für uns.

Der Sportschuh aber, der wurde von ihr gemieden und stand, so wie alle anderen Schuhe von uns, fortan unbeachtet im Vorzimmer.
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