Anekdoten

Erlebnisse mit meinen Hunden

-  "Gib Laut"
Im Alter von 4 Monaten brachte ich Alegro das Kommando „Gib Laut“ bei, was bedeutet, dass er auf das Hörzeichen „Gib Laut“ zu bellen beginnen sollte. Zu meiner eigenen Überraschung hat Ali das auch schnell begriffen und zwar besser als ich selbst jemals gedacht hätte.

Wie lehrt man nun also einem Welpen mit 4 Monaten am Besten dieses Kommando? Was tut ein Welpe in diesem Alter am Liebsten? Natürlich schlafen, spielen und fressen. Einem schlafenden Welpen kann man selbstverständlich nichts beibringen und so versuchte ich es zuerst über sein Spielzeug, aber das klappte nicht, weil Ali ja in diesem Alter noch sehr leicht ablenkbar war und wenn er etwas nicht gleich bekam, wendete er sich einfach anderen Dingen zu. So blieb mir also nunmehr eine Möglichkeit offen – das Futter.

Ein Welpe wird in diesem Alter noch dreimal täglich gefüttert, und so bekam er die ersten beiden Tagesmahlzeiten „umsonst“. Bei der Dritten aber verlangte ich dass er etwas dafür „tun“ muss. Ich richtete also abends seine Mahlzeit her und hockte mich mit seiner Schüssel in der Hand auf den Boden, mit heller Singsangstimme lockte ich Ali zu mir und als er begriff was ich da in Händen hielt wollte er es natürlich sofort und unbedingt haben. In auffordernder Tonart wiederholte ich nun immer wieder das Hörzeichen „Gib Laut“, er war anfangs dem Verzweifeln nahe und versuchte von sitzen bis anspringen einfach alles. Für solche Sachen gab es von mir nur ein ruhiges Nein, dieses Wort kannte er ja bereits. Mit der Zeit begann Ali zu winseln und ich ermunterte ihn mit „ja“ und „brav“ dazu weiterzumachen, solange bis das erste klägliche „Wuff“ aus ihm herauskam, sofort und mit viel Freude in meiner Stimme bekam er dann sein Schüsselchen. Täglich wiederholten wir nun unser Spiel und Ali begriff bald was ich eigentlich wirklich von ihm verlangte. Binnen zwei Wochen hatte er das Hörzeichen „Gib Laut“ zu meiner vollsten Zufriedenheit begriffen.

So verging einige Zeit und ich glaube Ali war so ca. 6 Monate alt, als ihm seine „Gib Laut“ Übung wieder in den Sinn kam. Ich hatte es mir abends mit Kaffee und Keksen, die auf meinem Couchtisch standen, bequem gemacht und sah mir im Fernsehen einen Spielfilm an. Alegro und seine Mutter Sheila schliefen seit unserem ausgiebigen Spaziergang den Schlaf der Gerechten. Irgendwann wurde Alegro wach und geisterte in der Wohnung herum, kein Problem das tat er regelmäßig, ich bemerkte auch das er zu seiner Wasserschüssel ging und ausgiebig trank. Er kam zu mir und holte sich seine Streicheleinheiten, schleckte mir noch mit seiner Zunge über mein Kinn und wandte sich dann von mir ab. Was dann aber geschah war für mich etwas völlig einzigartiges und er tat es auch nie wieder in seinem Leben. Ali ging um den Couchtisch herum, so dass er mit mir Auge in Auge war, nur der niedrige Tisch war zwischen uns. Er linste mir seelenruhig in die Augen, so dass ich auf ihn bewusst aufmerksam wurde und mir überlegte was er wollen könnte. Darauf schien Ali aber nur gewartet zu haben, den plötzlich begann er „Wuff – Wuff - Wuff“ zu machen und ohne abzuwarten wie ich darauf reagieren würde, stieß er mit seiner schwarzen Schnauze in die am Tisch zwischen uns stehende Keksschüssel. Ich war erstaunt und entsetzt gleichzeitig und zu baff um irgendwie zu reagieren. Er naschte dort seelenruhig an einigen Keksen, hob den Kopf, blickte mir wieder in die Augen, wedelte dabei freudig, drehte sich um und ging zu seinen Schlafplatz zurück, wo er sich sofort einrollte und in sein Hundetraumland entschlummerte.

Ich war einfach zu perplex um nur irgendwas von mir zu geben, begann aber dann das ganze zu überdenken. Klar, Ali hat gelernt, wenn er bellt, bekommt er Futter, die Kekse standen in seiner Kopfhöhe und er wollte ran, er wusste aber bereits das man nicht so einfach vom Tisch klauen darf, also was macht man da in seiner Verzweiflung wenn so leckere Kekse vor einer Hundeschnauze stehen? Na, scheinbar das was Frauchen sich erwartet und was sie ihm doch selbst beigebracht hat, man bellt, und zwar diesmal ohne Kommando, und greift tüchtig zu.

Ich dachte mir damals, toll jetzt kann ich aufpassen das er nicht beginnt unter diesem Vorwand mir alles vom Tisch zu futtern, aber es passierte, wie schon gesagt, nie wieder und ich kam dann zu dem endgültigen Schluss meiner Überlegungen, nämlich das Alegro mir nur zeigen wollte das er alles vollkommen kapiert hat und mir das auf seine Art gezeigt hat.
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